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Einleitung

Bei der sogenannten Trichterbrust (lat.: Pectus excavatum) handelt es sich um eine Wachstumsstörung mit Deformierung des Brustkorbs mit einer trichterförmigen Eindellung des Brustbeins und der angrenzenden Rippen. Die genauen Ursachen sind unklar, am häufigsten werden Störungen des Knorpelwachstums rund um das Brustbein vermutet. Das männliche Geschlecht ist deutlich häufiger betroffen, die Häufigkeit in der Normalbevölkerung liegt bei etwa 4/1000.

Beschwerdebild

Eine Trichterbrust ist meist schon direkt nach der Geburt zu erkennen und prägt sich dann in den späteren Wachstumsschüben weiter aus. Kinder und Jugendliche sind dabei oft beschwerdefrei, da die Lunge im Brustkorb in anderen Dimensionen gut ausweichen kann und auch dem Herz genügend Platz bleibt. Nur im Ausnahmefall und bei besonders ausgeprägten Formen mit starker Verdrängung dieser Organe   kommt es zu belastungsabhängigen Beschwerden. Da häufig große schlanke Menschen mit niedrigem Blutdruck betroffen sind, ist ein Ausschluss anderer Ursachen von Leistungs-Einschränkungen mittels Lungenfunktionsmessung und Herzecho wichtig. Meist steht aber eine psychische Belastung mit unterschiedlich ausgeprägter sozialer Isolierung im Vordergrund, die besonders junge Patienten um das Pubertätsalter nach Behandlungswegen suchen lässt.

 

Bei Fehlen relevanter körperlicher Beschwerden sollte möglichst der Abschluss des Wachstums abgewartet werden, bevor operative Maßnahmen angesetzt werden. Bei sehr ausgeprägten Formen mit nachweisbaren körperlichen Symptomen durch die Verdrängung der Brustkorb Organe kann jedoch eine operative Korrektur der Trichterbrust notwendig werden, um Entwicklungsstörungen zu vermeiden.

Das international gebräuchlichste Mass zur Beurteilung des Schweregrades einer Trichterbrust ist der sogenannte „Haller-Index“. Dafür wird das Verhältnis des Querdurchmessers des Brustkorbs (horizontale Distanz der Innenseite der Rippen) zum anteroposterioren Durchmesser (kürzester Abstand zwischen Brustbein  Hinterwand und Wirbelkörper) mittels Thorax CT bestimmt. HI = Querdurchmesser/Thoraxtiefe. Ein normaler HI sollte etwa 2.5 betragen.

Behandlungsmöglichkeiten

Während im Kindesalter in erster Linie Zurückhaltung mit invasiven Maßnahmen, Physiotherapie und regelmäßige Verlaufskontrollen empfohlen werden, ist bei Jugendlichen und Erwachsenen zunächst intensives Muskel- und Konditionstraining sinnvoll. Die Deformierung der in das Brustbein einstrahlenden Rippenknorpel führt zu einer Fehlhaltung der Wirbelsäule und Ausbildung eines Rundrückens, der durch die Scheu, sich mit nacktem Oberkörper zu präsentieren noch wesentlich verstärkt wird. Die Schultern hängen nach vorn, der Rücken ist gebeugt und die Bauchmuskulatur dadurch schlaff. Um eine Verschlechterung der Haltungsschäden zu vermeiden, werden ein gezieltes Muskeltraining, Schwimmen und eine physiotherapeutische Betreuung empfohlen. 

Zur Planung einer eventuell erforderlichen Operation werden bei einem ausführlichen persönlichen Gespräch die erforderlichen Befunde gemeinsam besprochen: Brustkorbvermessung, Lungenfunktionsprüfung, Herzecho und EKG. Die begleitenden psychisch-kosmetischen Belastungen für die Betroffenen sollten jedoch nicht unterschätzt werden, sodass eine operative Korrektur manchmal auch ohne messbare funktionelle Einschränkung erwogen werden muss.

 

Ziel einer operativen Intervention ist eine bestmögliche Korrektur der Trichterbrust unter Vermeidung ausgedehnter störender Narben. Heute werden daher fast ausschliesslich minimal-invasive Methoden eingesetzt, deren Ergebnisse anatomisch und funktionell mit denen nach einer offenen Operation vergleichbar sind, jedoch aufgrund der kleineren Schnitte kosmetisch überlegen sind. 

Minimal invasive Korrektur nach Nuss (MIRPE)

Donald Nuss, ein aus Südafrika gebürtiger Kinderchirurg hatte 1987 in den USA eine weniger invasive Methode der Korrektur entwickelt. Die Methode wurde ursprünglich bei jungen Patienten bis zu einem Alter von 19 Jahren mit symmetrischer und weniger ausgeprägter Trichterbrust eingesetzt. Eine individuell angepasster Stahlbügel wird unter Kamerasicht hinter das Brustbein in Höhe der tiefsten Einsenkung eingebracht und damit das Sternum von innen nach außen angehoben. 

 

Die Nuss Methode wird heute auch an Erwachsenen bei entsprechend weniger elastischen Verhältnissen eingesetzt und in meiner eigenen Erfahrung sogar bei stark asymmetrischen Formen erfolgreich verwendet. Bei Patienten im Wachstum muss der Bügel etwa alle 2 Jahre durch einen größeren ersetzt werden, bei Erwachsenen verbleibt der Bügel bei korrekter Lage und fehlenden Beschwerden etwa 3 - 4 Jahre im Brustkorb, um ein Einsinken des Brustbeins zu verhindern. 

 

Trotz der minimal-invasiven Technik verursachte der klassische Nuss Metallbügel und die Fixierung der seitlichen Enden des Bügels an den Rippen ziehende Schmerzen. Ich verwende daher seit vielen Jahren eine Modifikation der Nuss-Methode nach Empfehlung von Herrn Prof Pilegaard, der kürzere Bügel empfiehlt, die nur an einer Seite stabilisiert werden. Es wird damit der „Klammereffekt“ des Bügels vermieden und der Brustkorb kann sich auch bei tiefer Atmung normal bewegen. Die Schmerzbelastung ist dadurch unvergleichbar geringer. 

Trichterbrust – Pectus excavatum

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